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Erkennung und Umgang mit Lebensmittelallergien bei Kindern


Was ist der Unterschied zwischen einer Lebensmittelallergie und einer Lebensmittelunverträglichkeit? 

Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten sind zwei verschiedene Reaktionen des Körpers auf bestimmte Lebensmittel. Eine Lebensmittelallergie ist eine immunologische Reaktion, bei der das Immunsystem bestimmte Proteine in Lebensmitteln als schädlich identifiziert und darauf reagiert, oft mit sofortigen Symptomen. Diese Symptome können sich unterschiedlich äußern, beispielsweise durch Hautausschläge, Atemprobleme oder Verdauungsprobleme. Am besten lässt sich der Unterschied zwischen einer Kuhmilchallergie und einer Laktoseintoleranz verdeutlichen: Eine Kuhmilchallergie ist eine immunologische Reaktion auf die Proteine in Kuhmilch, bei der das Immunsystem fälschlicherweise diese Proteine als Bedrohung erkennt und eine allergische Reaktion auslöst. Im Gegensatz dazu ist Laktoseintoleranz eine nicht-immunologische Verdauungsstörung, die durch einen Mangel an Laktase, dem Enzym zur Verdauung von Laktose, verursacht wird. Beide Zustände haben unterschiedliche Ursachen und Behandlungsansätze, was deutlich macht, wie wichtig eine korrekte Diagnose ist.

 

Wie verbreitet sind Lebensmittelallergien bei Kindern? 

Lebensmittelallergien sind bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen. Etwa 5-8 % der Kinder leiden unter einer oder mehreren Lebensmittelallergien, während der Prozentsatz bei Erwachsenen bei etwa 2-3 % liegt. [1] Diese Allergien manifestieren sich oft im frühen Kindesalter und können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Dabei zählt die Kuhmilchallergie zu den häufigsten Allergien bei Babys und Kleinkindern. Übrigens werden zu 90 % der Lebensmittelallergien in der Bevölkerung durch Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Schalentiere, Fisch, Nüsse, Weizen, Sesam und Sojabohnen ausgelöst. [2]

 

Was tun, wenn Dein Kind Symptome einer Lebensmittelallergie zeigt?



Bei Verdacht auf eine Lebensmittelallergie ist es entscheidend, einen Arzt hinzuzuziehen. Eine enge Zusammenarbeit mit Allergologen und Kinderärzten ist wichtig für die Diagnose und das Management von Lebensmittelallergien. Ärzte können durch spezifische Tests, wie Hauttests und Blutuntersuchungen, Allergien präzise diagnostizieren und sicherstellen, dass die richtige Diagnose gestellt wird. Basierend auf den Testergebnissen und der Krankengeschichte des Kindes erstellen die Ärzte individuelle Behandlungspläne, die darauf abzielen, den Kontakt mit den identifizierten Allergenen zu vermeiden und allergische Reaktionen effektiv zu bewältigen. [3] Diese umfassende medizinische Betreuung ist unerlässlich, um die Gesundheit und Sicherheit von Kindern mit Lebensmittelallergien zu gewährleisten und ihre Lebensqualität zu verbessern.

 

Worauf Du nach der Diagnose achten musst 

Es ist wichtig, Alternativen zu finden, um sicherzustellen, dass Kinder mit Lebensmittelallergien eine ausgewogene und nahrhafte Ernährung erhalten. Wenn bestimmte Lebensmittelgruppen aufgrund von Allergien ausgeschlossen werden müssen, kann dies zu Nährstoffdefiziten führen, die das Wachstum und die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen könnten. Alternativen wie pflanzliche Milchprodukte, glutenfreie Getreide und eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel können diese Lücken füllen und gleichzeitig die Sicherheit gewährleisten. Zudem ermöglichen Alternativen den Kindern, an sozialen Aktivitäten wie Schulessen, Geburtstagsfeiern und Familienausflügen teilzunehmen, ohne das Risiko allergischer Reaktionen einzugehen. Dies trägt nicht nur zur körperlichen Gesundheit bei, sondern auch zum emotionalen Wohlbefinden und zur Integration in die Gemeinschaft. Durch das Finden und Verwenden sicherer Alternativen kannst Du sicherstellen, dass Deine Kinder trotz Lebensmittelallergien ein normales, gesundes und erfülltes Leben führen. Jedoch ist zu beachten, dass das Ernährungsmanagement immer in Rücksprache mit Deinem behandelnden Arzt geplant werden sollte. 

Darüber hinaus ist die sorgfältige Planung und Zubereitung von Mahlzeiten entscheidend, um Kindern mit Lebensmittelallergien eine sichere und ausgewogene Ernährung zu bieten. Erstelle einen wöchentlichen Mahlzeitenplan, der die speziellen Bedürfnisse Deines Kindes berücksichtigt und gleichzeitig Abwechslung bietet. Durch die Vorausplanung von Snacks und Mahlzeiten stellst Du sicher, dass immer sichere Lebensmitteloptionen zur Hand sind, insbesondere in stressigen Situationen oder bei spontanen Aktivitäten. Ein gut durchdachter Plan kann helfen, den Einkauf zu strukturieren und unnötige Risiken durch den Kauf ungeeigneter Lebensmittel zu minimieren. Berücksichtige dabei auch besondere Anlässe wie Geburtstagsfeiern oder Schulausflüge, bei denen allergenfreie Alternativen bereitgestellt werden müssen. 

Die Zubereitung von Mahlzeiten zu Hause bietet die beste Kontrolle über die Inhaltsstoffe und die Möglichkeit, Kreuzkontaminationen zu vermeiden. Nutze frische, unverarbeitete Lebensmittel, um das Risiko von versteckten Allergenen zu minimieren. Es ist hilfreich, Dein Kind in die Essenszubereitung einzubeziehen, um sein Bewusstsein für sichere Lebensmittel zu schärfen und ihm die Bedeutung der Lebensmittelallergie näherzubringen. Durch das gemeinsame Kochen können Kinder lernen, welche Zutaten sicher sind und wie man Lebensmittel sorgfältig auswählt und zubereitet. Dies fördert nicht nur das Sicherheitsbewusstsein, sondern auch die Freude am Essen und am gemeinsamen Kochen.

 

Tipps für den Alltag 

Der Alltag mit einem Kind, das an einer Lebensmittelallergie leidet, kann herausfordernd sein. Wir haben Dir daher einige praktische Tipps zusammengestellt, um den Einkauf und die Zubereitung von Mahlzeiten sicherer und effizienter zu gestalten: 

  • Sichere Lebensmittel einkaufen: Nutze eine Einkaufsliste, die speziell auf die Allergien Deines Kindes abgestimmt ist. Achte auf verarbeitete Lebensmittel, die Allergene enthalten können und bevorzuge frische, unverarbeitete Produkte. 

  • Lebensmittelkennzeichnungen lesen: Mach es zur Gewohnheit, immer die Zutatenliste und Warnhinweise auf Lebensmitteln zu lesen, selbst wenn es sich um vertraute Produkte handelt, da sich die Rezepturen ändern können. 

  • Kreuzkontamination vermeiden: Verwende separate Küchenutensilien, Schneidebretter und Aufbewahrungsbehälter für allergenfreie Lebensmittel. Reinige Arbeitsflächen gründlich, bevor Du Mahlzeiten zubereitest. 

  • Einfache, sichere Rezepte: Entwickle eine Sammlung von bewährten, sicheren Rezepten, die Deine Familie liebt. Dies erleichtert die Planung und Zubereitung von Mahlzeiten. 

  • Informiere die Schule/den Kindergarten: Stelle sicher, dass Erzieher, Lehrer, Schulpersonal und Betreuungspersonen über die Allergien Deines Kindes und die notwendigen Maßnahmen im Notfall informiert sind. Ein schriftlicher Notfallplan kann hier für den Ernstfall hilfreich sein. 

  • Sichere Snacks bereitstellen: Gib Deinem Kind sichere Snacks und Mahlzeiten mit, um das Risiko einer allergischen Reaktion zu minimieren. Sprich mit anderen Eltern und dem Schulpersonal über sichere Optionen bei Klassenfesten oder Ausflügen. 

  • Ernährungs-Symptomtagebuch führen: Ein detailliertes Tagebuch kann sowohl bei der Diagnosestellung als auch zur Überwachung einer Diät hilfreich sein. Es erfasst verzehrte Lebensmittel sowie besondere Ereignisse wie Geburtstagsfeiern, Klassenarbeiten, Wettereinflüsse, Infekte, sportliche Aktivitäten und die Einnahme von Medikamenten. Dadurch können Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmitteln und auftretenden Beschwerden identifiziert werden. 

  • Eliminierung von Allergenen durch Art der Zubereitung: Bestimmte Allergene in Lebensmitteln können durch Verarbeitungsprozesse wie Erhitzen, Zerkleinern oder Säuern reduziert oder zerstört werden. Dies gilt insbesondere für viele Obst- und Gemüsesorten. Personen, die auf rohe Früchte oder Gemüse reagieren, könnten gekochte oder anderweitig verarbeitete Varianten besser vertragen [4].   

Der Alltag mit einem Kind, das an einer Lebensmittelallergie leidet, erfordert besondere Aufmerksamkeit und Planung. Dennoch ist es wichtig, optimistisch zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass viele Kinder ihre Lebensmittelallergien im Laufe der Zeit überwinden können. Studien zeigen, dass etwa 80 % der Kinder Allergien gegen Milch, Ei, Soja und Weizen bis zum Alter von 6 bis 7 Jahren überwinden​. Der Schlüssel liegt in der regelmäßigen Zusammenarbeit mit Allergologen und Kinderärzten. Regelmäßige Tests und Nachuntersuchungen sind entscheidend, um zu überprüfen, ob Dein Kind eine Allergie überwunden hat. Dies kann nicht nur unnötige Einschränkungen und Ängste verhindern, sondern auch sicherstellen, dass Dein Kind eine vollwertige Ernährung erhält​. [5] 

Zudem haben neue Forschungsergebnisse in Bezug auf Erdnussallergien gezeigt, dass das frühe Einführen von Erdnüssen in die Ernährung von Babys das Risiko einer Erdnussallergie deutlich verringern kann. Dies ist ein vielversprechender erster Ansatz dafür, dass eine frühzeitige Gewöhnung an verschiedene Lebensmittel eine effektive Strategie sein könnte. Es muss jedoch noch weiter erforscht werden, ob diese Methode auch auf andere Lebensmittelallergien anwendbar ist. [6] 

Eine weitere vielversprechende Methode ist die orale Immuntherapie (OIT). Dabei wird das allergieauslösende Lebensmittel in kleinen, steigenden Mengen verabreicht, um eine Toleranz und idealerweise eine Verträglichkeit zu entwickeln. Diese Methode sollte jedoch auf keinen Fall zu Hause ausprobiert werden. Aufgrund möglicher schwerer Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Reaktionen wird OIT derzeit nur im Rahmen von klinischen Studien und unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt. [7]  

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch sorgfältige Planung, eine positive Einstellung und die Unterstützung durch Fachpersonal die Herausforderungen von Lebensmittelallergien gemeistert werden können. Bleibe informiert, halte engen Kontakt zu den Ärzten und teste regelmäßig, ob sich die Allergien Deines Kindes verändert haben. So kannst Du sicherstellen, dass Dein Kind trotz Lebensmittelallergien ein gesundes, glückliches und normales Leben führen kann. 

 

Quellen: 

[1] Clinic, C. (2023, 3. Mai). Warning Label: The Big 9 of Food Allergens. Cleveland Clinic. Abgerufen am 28. Mai 2024, von https://health.clevelandclinic.org/most-common-food-allergies 

[2] Food Allergens - Allergic Reation to Food. (2013, 13. Oktober). Eufic. Abgerufen am 28. Mai 2024, von https://www.eufic.org/en/healthy-living/article/food-allergens 

[3] Food allergy - Diagnosis and treatment - Mayo Clinic. (2023, 13. Dezember). https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/food-allergy/diagnosis-treatment/drc-20355101 

[4] Therapie & Behandlung. (o. D.). Abgerufen am 29. Mai 2024, von https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-allergien/behandlung/therapie-behandlung 

[5] Outgrowing food allergies — evidence shows multiple factors affect outcome. (2013, Mai). Abgerufen am 29. Mai 2024, von https://www.todaysdietitian.com/newarchives/050113p12.shtml 

[6] Du Toit et al., Follow-up to Adolescence after Early Peanut Introduction for Allergy Prevention. (2024). NEJM Evid. https://doi.org/10.1056/EVIDoa2300311 

[7] Hwang, D. W., Nagler, C. R. & Ciaccio, C. E. (2022). New and emerging concepts and therapies for the treatment of food allergy. Immunotherapy Advances, 2(1). https://doi.org/10.1093/immadv/ltac006 

 

Autor: Tim Klewin


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